Wintersport Skilanglauf-Finale, Deutsche Meisterschaft im Rennrodeln und Gastspiel der 3. Skisprung-Liga: Am Wochenende hat Oberhof den Vorhang für den finalen Saisonakt geöffnet. Baldiger Nachschlag ist auf dem Weg.

Deutschland trifft sich zum großen Finale in Oberhof: Start des Schülercup-Massenstart-Rennens der Klasse U14 weiblich am Samstag in der Ski-Arena. Fotos (4): Christian Heilwagen
Von Karsten Tischer
Oberhof. Wintersport-Wettkämpfe auch bei kraftvoller Märzsonne können also funktionieren. Alle drei zentralen Wettkampfstätten in Oberhof waren am Wochenende Austragungsorte für gleich mehrere Saisonhöhepunkte. Das sind ihre Geschichten, aufgezeichnet im Kanzlersgrund, in der SkiArena und an der Rennrodelbahn.
Skilanglauf: Den Heimvorteil im Sport gibt es offenbar tatsächlich. Gleich mehrere Thüringer Langlauf-Talente haben zum Finale des diesjährigen Deutschen Schülercups (DSC) der Altersklassen U14 und 15 ihre besten Saisonresultate in den heimischen Schnee gezaubert. Selina Seidel, die Suhlerin, die für Ausrichter SWV Goldlauter-Heidersbach startet, spricht am Samstag von einem „perfekten Tag“. „Ich habe es tatsächlich mal geschafft, Zweite zu werden.“
Das Podest im 5,0-km-Massenstart der U15 ist Seidels bestes Ergebnis in diesem Jahr. Bei Arvid Teichmann (WSV Oberhof) ist es das Gleiche, bei Marta Heß (SV Medizin Bad Liebenstein) ebenso. Der eigene, an der Zielgeraden postierte Fanclub aus Barchfeld dürfte für zusätzlichen Schub gesorgt haben. Das größte Lob bekommen von nahezu allen jedoch die Wachser. Im Gegensatz zum Deutschlandpokal gibt es im DSC kein Einheitswachs. Jeder Landesverband kümmert sich selbst um die Skier seiner Athleten. Felix Behr vom SWV Goldlauter-Heidersbach, der momentan ein Sportstudium in Leipzig absolviert, hilft am Wochenende beim Wachsen mit. Der Tag ist lang. Kaum sind die Wettkämpfe des Tages Geschichte, geht es nach einer kurzen Mittagspause weiter mit dem Vorbereiten der Skier für die Mixed-Staffeln am Sonntag, die nicht mehr in die DSC-Gesamtwertung einfließen. Erst am Abend sei dann Feierabend, erzählt Felix Behr.
Einen Gesamtsieger stellt der Thüringer Skiverband: Luca König vom WSV Rotterode, Paula Schulz (SSV Erfurt 02/U14) wird Zweite. König gewinnt wie im Vorjahr, diesmal in der U15. Der Rotteröder verteilt ebenfalls Komplimente an die Techniker. „Ich kann auf jeden Fall sagen, dass wir heute einen saugeilen Ski hatten. Sowohl am Berg, als auch in der Abfahrt war der Ski heute echt gut“, sagt der 14-Jährige nach dem ersten 7,5-km-Distanzrennen in dieser Saison.
Einig sind sich Läufer wie Techniker nach dem DSC-Finale in der warmen Märzsonne, dass Wintersport auch zu dieser Zeit im Jahr bei Temperaturen, bei denen manche im Rennen auf ein Oberteil verzichten, möglich ist. In einem Jahr soll der Biathlon-Weltcup am Rennsteig vom 4. bis 7. März stattfinden. Und: Auch jetzt ist noch nicht Schluss in Oberhof. Weil in der Skiarena am Fichtelberg in Oberwiesenthal kaum noch Schnee vorhanden ist, wird der 7. Deutschlandpokal der Skilangläufer am nächsten Wochenende von Sachsen nach Thüringen verlegt.

Schwitzen im Schnee: Mancher Starter trägt in Oberhof nur das Nötigste. Foto: Christian Heilwagen
Skispringen: Beim Fis-Cup, der 3. Liga des internationalen Skispringens, treffen Aufsteiger und Talente auf einstige WM- und Weltcup-Teilnehmer. Für Nando Riemann und Louis Günther sind die beiden Wettbewerbe auf der heimischen Normalschanze im Kanzlersgrund bereits nach den ersten Durchgängen vorbei. Beide Oberhofer Sportler erreichen nicht die Top 30, um sich jeweils für Runde zwei zu qualifizieren. Für Stützpunkttrainer Ralph Gebstedt sind die gesammelten Erfahrungen wichtiger als die Platzierungen. Für den Ruhlaer Louis Günther ist es der erste Fis-Cup in diesem Winter. Wie Riemann lebt und trainiert er seit rund sechs Jahren in Oberhof. „Ich bin schon ganz zufrieden, dass ich hier mitmachen darf. Der Sprung war auch erstmal in Ordnung. Bis zu den besten 30 ist noch viel zu tun. Aber erstmal kleine Brötchen backen“, meint der 19-Jährige, der in diesem Sommer das Abitur ablegen möchte.
Nando Riemann hat den Schulabschluss bereits in der Tasche. Der 18-Jährige hat noch einen etwas längeren Weg hinter sich. Riemann stammt aus Braunlage im Harz. Auf den Nachwuchsschanzen des dortigen Wintersportvereins hat er das Skispringen gelernt. Doch wer auf größeren Bakken fliegen möchte, kommt um einen Ortswechsel nicht herum. „Ein paar Freunde von mir waren auch schon hierhingegangen. Und den Trainer kannte ich auch. Es ist schön, dabei zu sein. Es ist ein anderes Niveau. Man kann sich auch mal mit Größeren messen.“
Wie in der Ski-Arena soll die Saison auch im Kanzlersgrund noch nicht Geschichte sein. Am kommenden Wochenende gastiert der Alpencup der Nordischen Kombinierer am Rennsteig. Ob die Schanze und der Schnee auf ihr bis dahin durchhalten werden, konnte Schanzenmeister Tino Feix beim Gespräch in der warmen Sonne am Samstag noch nicht mit Sicherheit beantworten. Alles hänge an den Nächten, ob der Frost kommt oder nicht. Bleibt er aus, werde es kritisch. Schnee sei nicht das Problem, der sei neben den Schanzen noch vorhanden. „Die Ränder müssten aufgefüllt werden. Dann müssen wir Halt reinkriegen. Und das geht am besten mit Frost“, erklärt Feix.
Rennrodeln: Definitiv Schluss ist an der Rennrodelbahn. Für die elfjährige Tsarina Petrova vom Rodelsportverein ’90 Schmalkalden endet der Schlussakt mit der ersten deutschen Meisterschaft ihrer noch jungen Karriere. Für Landestrainerin Marion Thees hat sich ihr Erfolg bei den Deutschen Meisterschaften der Jugend C in den zurückliegenden Monaten angekündigt. „Das hat sich im Training angedeutet. Auch in der Landesauswahl hat sie sich über den Winter gut präsentiert.“ Thees’ Gesamtbilanz fällt positiv aus: „Wir müssen uns nicht verstecken. Es waren wirklich gute Zeiten.“
Trotz starker Konkurrenz aus Sachsen fährt Petrova zweimal die schnellste Zeit beim nationalen Höhepunkt der jungen Kufensportler. Zeit also, ans Oberhofer Sportgymnasium (SGO) zu wechseln? Die Schmalkalderin, die das dortige Gymnasium besucht, zeigt sich noch skeptisch. „Ich wurde eingeladen, habe aber abgelehnt. Ich finde es auf dem Gymnasium sehr schön. Ich überlege es mir noch.“ Emilia Ullrich vom RC Ilmenau kann das Abenteuer SGO empfehlen. „Der Wechsel lohnt sich“, sagt sie.
Im Team-Wettbewerb gewinnen beide Mädchen mit den Jungs Emil Fuckel (RSV Schmalkalden) und Luis Brandau (RT Suhl) Silber hinter Sachsen. Nur für den Empfang von Rennrodel-Olympiasieger Max Langenhan am gleichen Tag in dessen Heimatort Ernstroda bleibt manchem keine Zeit mehr. Er müsse zu Hause noch ein paar Hausaufgaben machen, so Emil Fuckel am Sonntag.
Freies Wort vom 11.03.2025