Karsten Tischer
Die Juniorinnen-Staffel um die Oberhoferin Sydney Wüstling hat Team Deutschland zum Abschluss der Nachwuchs-Weltmeisterschaft die ersehnte Goldmedaille beschert.
Bayerisch EisensteinAcht Tage haben Deutschlands Nachwuchs-Biathleten darauf gewartet: Am Abschlusstag der Jugend- und Junioren-Weltmeisterschaften im Bayerischen Wald hat das deutsche Team seine erste Goldmedaille gewonnen. Die Juniorinnen-Staffel um die Oberhoferin Sydney Wüstling hat sich am Sonntagnachmittag gegen Frankreich und die Ukraine behauptet. 3,7 Sekunden trennte das deutsche Team im Ziel von Verfolger Frankreich. Schlussläuferin Sydney Wüstling brachte den Sieg nach 1:13:36 Stunden über die Ziellinie.
17 Wettkämpfe, zweimal Bronze
Damit endet für den Deutschen Skiverband eine kleine Durststrecke. In den vorangegangenen 17 Wettbewerben waren die 16 hiesigen Starter nicht über zwei Bronzemedaillen hinausgekommen. Zwei Thüringer Vertreter hatten sie eingefahren: Hannes Lipfert vom SV Eintracht Frankenhain hat sich am Dienstag, 3. März, bei der Nachwuchs-WM am Arber in einem dramatischen Finish Bronze im 7,5-km-Sprint der Jugend gesichert.
Sydney Wüstling – die gebürtige Sächsin aus dem Erzgebirge, die seit Sommer 2024 am Stützpunkt Oberhof lebt und trainiert – hatte nur einen Tag später mit Bronze im Sprint nachgelegt und im 9-km-Massenstart-Rennen am Freitag, 6. März, eine weitere Einzelmedaille verpasst.
Nun krönte die erst 17 Jahre alte Athletin vom WSV Oberhof 05 ihren starken Einstand in der Altersklasse Junioren mit dem Staffelgold. Noch im Vorjahr trat sie in der AK Jugend an und konnte seinerzeit in Östersund ebenfalls mit der Staffel über Gold jubeln. Damals bereits mit dabei war Melina Gaupp vom DAV Ulm. Die Ulmerin sowie Johanna Lehnung (SV Grün-Weiß Pirna) und Leni Dietersberger (SC Traunstein) komplettierten das deutsche Quartett am Sonntag.
Lehnung eröffnete das Rennen bei frühlingshaften 13 Grad mit einem Nachlader und rund zehn Sekunden Rückstand auf Frankreich. Im zweiten Schießen patzten dann die Französinnen. Lehnung dagegen glänzte mit einer Schnellfeuereinlage und fünf Treffern ins Schwarze. Sie blieb fehlerfrei und fuhr von Platz sechs wieder auf zwei vor. Gaupp benötigte wie später Dietersberger und Wüstling drei Nachlader, brachte Deutschland aber in Führung und übergab mit einem fast 20 Sekunden großen Polster auf Leni Dietersberger.
Die französische Topläuferin Lou-Anne Dupont Ballet Baz machte Boden gut, der Vorsprung schmolz auf 4,1 Sekunden zusammen. Sydney Wüstling musste ihre französische Konkurrentin Themice Fontaine nach ihrem ersten Schießen ziehen lassen, holte sich Platz eins jedoch auf der Strecke zurück.
Es geht nicht gut, es geht sehr gut
Das allerletzte Schießen und die allerletzten Meter der diesjährigen JWM sollten die Entscheidung über Gold und Silber bringen. Wüstling wehrte alle Angriffsversuche bis ins Ziel ab. Frankreich holte Silber, es fehlten 3,7 Sekunden auf die Schlussläuferin aus Oberhof. „Es geht mir im Moment nicht so gut“, sagte Wüstling im Anschluss im ARD-Interview, „weil ich doch sehr kaputt bin. Andererseits geht es mir sehr gut, weil wir gewonnen haben.“
Den Titel des schnellsten Teams auf der Strecke sicherten sich die Norwegerinnen. Sie leisteten sich jedoch mit zwei Strafrunden und 15 Nachladern mit die meisten Fehler am Schießstand. Schnellste Mannschaft am Schießstand war die ukrainische Staffel. Sie holte sich mit 19,5 Sekunden Rückstand auf die deutschen Damen Bronze. Norwegen wurde Vierter.
Mit dem Staffelgold am Sonntag verbesserte sich Deutschland im Medaillenspiegel der JWM auf Rang acht mit einmal Gold und zweimal Bronze. Erfolgreichstes Land bei der ersten Jugend- und Junioren-Weltmeisterschaft in Deutschland seit 18 Jahren ist Lettland (3/3/1) vor der Slowakei (3/0/0) und Norwegen (2/5/1). Im vergangenen Jahr gewann Deutschland im schwedischen Östersund achtmal Edelmetall (3/5/0). Spitzenreiter Frankreich kam damals auf 16 (6/6/4).
Bei den drei weiteren Staffelrennen am Samstag und Sonntag erreichten die deutschen Mannschaften die Plätze 7 (Jugend männlich mit dem Frankenhainer Hannes Lipfert als Schlussläufer), 5 (Junioren mit Karl Schütze und Clemens Böhme vom Stützpunkt Oberhof) sowie 6 (Jugend weiblich mit Nachrückerin Carlotta Nößler).
Die nächsten Nachwuchs-Weltmeisterschaften im Biathlon finden 2027 im polnischen Jakuszyce statt. 2028 folgt Ridnaun.

Die deutsche Goldstaffel (von links): Johanna Lehnung, Melina Gaupp, Leni Dietersberger und Sydney Wüstling. Foto: Grega Valancic/VOIGT
Freies Wort vom 10.03.2026